Arbeitskonzept

Qualifizierungskonzept der Bildungsinitiative QUEERFORMAT für den Bereich Schule

Hier finden Sie das ausführliche "Konzept zur Umsetzung der Initiative Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz Sexueller Vielfalt (ISV) für den Bereich Schule".

Diversity - Vielfalt als Bereicherung verstehen

Für Lehrer_innen und andere pädagogische Fachkräfte ist Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Kindern und Jugendlichen oft Alltag: Sie unterscheiden sich in ethnischer oder sozialer Herkunft, Sprache, sexueller Identität, Alter und vielem mehr.

Der Diversity-Ansatz betrachtet diese Vielfalt von Menschen gemeinsam und ermöglicht es, diese als Bereicherung für das gesellschaftliche Miteinander zu  begreifen.

Die Bildungsinitiative QUEERFORMAT verwendet als ihr Arbeitskonzept einen Diversity-Ansatz, der drei pädagogische Konzepte ergänzend zusammenführt.

Pädagogisches Konzept

Die Pädagogik der Vielfalt fokussiert sich auf die Kriterien Geschlecht, vermeintliche Behinderung und Herkunft und wurde von Annedore Prengel entwickelt. Ergänzt wird dieses Konzept durch die Lebensformenpädagogik, die auch sexuelle Orientierung und sexuelle Identität mit einbezieht. Dieses Bildungskonzept für Jugendarbeit und Erwachsenenbildung wurde von der Bildungseinrichtung KomBi (Kommunikation und Bildung) Anfang der 1990er Jahre entwickelt.

Die vier Hauptaspekte der Lebensformenpädagogik bei der Betrachtung und Vermittlung von Vielfalt sind:

  • Antidiskriminierung,
  • Gewaltprävention,
  • emanzipatorische Sexualpädagogik und
  • politische Bildung.

In der Jugendbildung soll so vor allem Akzeptanz und Respekt bei den Kindern und Jugendlichen gefördert werden. Außerdem soll erlernt werden, Differenz und Vielfalt wertzuschätzen und das demokratische Bewusstsein zu schärfen.

In der Erwachsenenbildung ist es das Ziel,  eine Erweiterung der pädagogischen Handlungskompetenz und einen akzeptierenden Umgang mit Diversität zu erreichen. Pädagogische Fachkräfte sollen zu dem befähigt werden, lesbische, schwule, bisexuelle und trans*[1] Kinder und Jugendliche in ihrem Coming Out zu unterstützen.

Die Lebensformenpädagogik vermittelt eine Wertschätzung für Vielfalt, thematisiert Ausgrenzungsmechanismen und Machtverhältnisse. Sie versteht sich zudem als Beitrag zur Menschenrechtsbildung, auf die sie seit mehreren Jahren explizit Bezug nimmt.

So wird die sexuelle Orientierung als Menschenrecht thematisiert und die tatsächliche rechtliche und soziale Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*-Personen (häufig auch mit der  englischen Kurzform LGBT bezeichnet – für lesbian, gay, bisexual und trans*) weltweit betrachtet. Auch das Spannungsfeld zwischen gesetzlichen Diskriminierungsverboten und staatlicher Verfolgung sowie die unterschiedlichen Bewertungen gleichgeschlechtlichen Begehrens in verschiedenen Kulturen und Religionen werden mit einbezogen.

Wissensvermittlung, Reflexion und Handlungsorientierung

Die Lebensformenpädagogik vermittelt ihre Inhalte auf drei Ebenen. Auf der kognitiven Ebene steht das Lernen über einen bestimmten Gegenstand. Zum Beispiel das Vermitteln von Zahlen, Fakten und Daten:

  • Wie viele Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*Personen gibt es?
  • Was genau ist ein Coming-Out?
  • Wie reagieren FreundInnen, Eltern und andere Bezugspersonen?

Es werden Antworten auf Fragen zur psychosozialen Situation LGBT Jugendlicher und Geschlechtervielfalt, Heteronormativität sowie Antidiskriminierung gegeben.

Die reflexive Ebene verankert die Inhalte vor allem durch erfahrungsbezogenes Lernen. Dazu dienen Übungen, die die Selbstwahrnehmung schulen und mit denen eigene Einstellungen und Vorurteile erkannt und überprüft werden können. Die Fähigkeit zu einem Perspektivwechsel kann so trainiert werden.

Auf der Handlungsebene lernen pädagogische Fachkräfte Methoden und Materialien für ihren Arbeitsalltag kennen. Dabei werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie LGBT-Themen in die pädagogische Praxis integriert werden können. Es werden geeignete Interventionsmöglichkeiten bei Diskriminierung und Ausgrenzung geprüft.

 


[1] Trans* wird hier als Oberbegriff für alle Personen verstanden, für die ihr gelebtes Geschlecht keine zwingende Folge des bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts ist.